Heilbarkeit
Der dauerhafte Erfolg einer antibiotischen Behandlung einer Lyme-Borreliose lässt sich nur sehr schwer feststellen. Vorübergehende Symptomfreiheit nach einer Therapie ist nicht mit einer Heilung gleichzusetzen.
Der sicherste Nachweis einer erfolgreich behandelten und ausgeheilten Lyme-Borreliose ist eine jahrelange symptomfreie Zeit. Jedes erneute Aufflammen von Krankheitssymptomen (Rezidiv) verdeutlicht, dass der Infektionserreger im Verlaufe einer Therapie nicht eliminiert wurde.
Wir gehen davon aus, dass eine ausgeheilte Borreliose durch eine Symptomfreiheit von mindestens einem Jahr und labordiagnostisch durch einen negativen Antikörpernachweis zu charakterisieren ist.
Aufgrund der mannigfaltigen Besonderheiten der Borreliose und der sie auslösenden Borrelien ist dieses Ziel nur sehr schwer zu realisieren.
1. Frühstadium einer Lyme-Borreliose
Es ist anzunehmen, dass eine rechtzeitig erkannte Infektion mit Borrelien und des Frühstadiums einer Lyme-Borreliose bei einer optimalen und ausreichend langen antibiotischen Behandlung zu einer Eliminierung des Erregers führt und somit eine Borreliose verhindert bzw. geheilt werden kann.
Wichtig ist dabei die Begleitung der entsprechenden antibiotischen Therapie durch eine aussagekräftige Labordiagnostik, die bei dem Nachweis einer Borrelien-Infektion zur Zeit nur durch den Einsatz umfangreicher Testmethoden gewährleistet wird.
Schon das Erkennen einer Borreliose nach einem Zeckenstich, fälschlicherweise auch Zeckenbiss genannt, ist mit vielen Problemen behaftet. Die ersten Anzeichen einer Lyme-Borreliose, das Erythema migrans (Wanderröte), tritt ca. 2 – 3 Wochen nach dem erfolgten Zeckenstich / Zeckenbiss auf und ist ein untrügliches Zeichen für eine Borrelien-Infektion, aber:
- Erythema migrans kann auch erst Monate nach der erfolgen Borrelien-Infektion auftreten.
- Erythema migrans tritt nicht bei allen mit Borrelien infizierten Personen auf.
- Auftretende unspezifische Krankheitssymptome einer Lyme-Borreliose, wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, werden nicht in Verbindung mit dem zuvor erfolgten Zeckenstich / Zeckenbiss gebracht.
Wird vom behandelnden Arzt der Verdacht einer Borreliose formuliert, so versucht er seine endgültige Diagnose mit einem Labortest zu untermauern um schließlich eine antibiotischen Therapie einzuleiten. Das Laborergebnis muss jedoch nicht unbedingt die Diagnose des behandelnden Arztes bestätigen.
Durch ein falsch-negatives Laborergebnis unter Umständen eine antibiotische Therapie nicht eingeleitet bzw. kann es bei einer eingeleiteten Therapie zu einem vorzeitigen Abbruch der Therapie kommen.
Die während einer antibiotischen Therapie eintretende Besserung des Gesundheitszustandes stellt den behandelnden Arzt vor das schier unlösbaren Problem im Bezug auf die weitere Vorgehensweise: Die hier unbeantwortete Frage ist, ob die antibiotische Therapie von ausreichender Länge war, so dass der Krankheitserreger erfolgreich eliminiert wurde.
Eine labordiagnostische Feststellung einer ausgeheilten Lyme-Borreliose (erfolgreiche Eliminierung des Krankheitserregers) ist in vielen Fällen nicht möglich.
Diese scheitert teilweise an der jahrelangen Persistenz von Antikörpern bzw. an einem falsch-negativem Laborbefund nach einer erfolgten antibiotischen Therapie. Unter diesen Voraussetzungen muss der Arzt selber den Zeitpunkt bestimmen, zu dem die Therapie beendet werden soll und somit auch den Abbruch einer in Ansätzen erfolgreichen Therapie in Kauf nehmen.
In diesen Fällen bleibt dann eine Borrelien-Infektion unbehandelt bzw. nicht ausreichend behandelt und kann zu späteren Gesundheitsschäden führen. Die Folge ist eine chronische Borreliose, die sich eventuell erst nach Jahren manifestieren kann.
2. Spätstadium einer Lyme-Borreliose – Chronische Borreliose
Im Spätstadium der Lyme-Borreliose ist der Therapieerfolg ungewiss. Eine wichtige Ursache ist der vorzeitige Abbruch der Therapie. Eine scheinbar erfolgreiche antibiotische Behandlung, die durch den Rückgang der Krankheitssymptome charakterisiert und die auch labordiagnostisch durch einen rückläufigen bzw. negativen Antikörpernachweis bestätigt wird, führt zu der Entscheidung, die Therapie zu beenden. Nach einer kurzen symptomfreien Zeit flammen dann die Krankheitssymptome erneut auf.
Unsere Beobachtungen zeigen, dass gerade bei der Behandlung einer chronischen Borreliose, parallel mit der erfolgreichen Therapie und dem negativen Antikörpernachweis des Krankheitserregers, eine Reaktivierung eines weiteren Borrelien-Stammes einhergeht. (Vorliegen einer multiplen Infektion mit mindestens zwei unterschiedlichen Borrelien)
Die hier reaktivierten Borrelien haben in der Anfangsphase ein schwach ausgeprägtes Antigenmuster, so dass sie nur durch den Nachweis von seltenen spezifischen Antikörpern erkannt werden können. Ein weiteres Charakteristikum dieser reaktivierten Borrelien ist die fehlende Kreuzreaktivität der gegen sie gerichteten Antikörper.
Diese zwei Faktoren führen dazu, dass diese Borrelien nur mit einer umfangreichen und aufwendigen Labordiagnostik erkannt werden können.
Mit unserer Analytik können wir ausschließen, dass aufgrund von fehlenden Antikörperkreuzreaktionen bzw. aufgrund von selten vorkommenden spezifischen Antikörpern gegen die hauptsächlich in Europa vorkommenden Arten (Borrelia afzelii, Borrelia burgdorferi und Borrelia garinii) eine Infektion bzw. Reaktivierung nicht erkannt wird und somit ein vorzeitiger Abbruch der Therapie verhindert wird.
Wir müssen davon ausgehen, dass vermeidbare falsch-negative Laborbefunde zum Nachweis einer Borrelien-Infektion keine Seltenheit sind. Die wichtigsten Gründe hierfür sind:
1. Antigenspektrum des Testsystems
Das Antigenspektrum des infizierenden Borrelienstammes ist in dem verwendeten Testsystem nicht ausreichend repräsentiert. (Die Variabilität der Borrelien-Antigene wird im Test nicht genügend berücksichtigt.) Eine positive Reaktion des Tests bleibt aufgrund des nicht korrespondierenden Antigenspektrums des Testsystems negativ. -> Falsch-negativer Befund!
Wir können mit unseren Tests insgesamt ca. 240 verschiedene Borrelien-Antikörper erkennen und reduzieren damit das Problem der falsch-negativen Befunde.
2. Kreuzreagierende Antikörper sind in der Untersuchungsprobe nicht vorhanden.
Durch eine speziesspezifische Immunantwort können Testsysteme mit Antigenen von B. afzelii, B. burgdorferi s.s. bzw. B. garinii mit den Antikörpern der untersuchten Probe falsch-negativ reagieren. Durch eine speziesspezifische Immunantwort sind in der Untersuchungsprobe nur speziesspezifische Antikörper vorhanden, die keine Kreuzreaktion mit verwandten Borrelien zeigen. Wenn die Antigene des Testsystems mit den Antigenen des infizierenden Erregers nicht korrespondieren, kann keine Reaktion (Bindung der Antikörper) stattfinden. -> Falsch-negativer Befund!
Durch den gleichzeitigen Nachweis von Antikörpern gegen die am häufigsten in Deutschland vorkommenden Borrelien-Infektionen mit Borrelia afzelii, Borrelia burgdorferi s.s. und Borrelia garinii können mit unseren Testsystemen diese speziesspezifischen Antikörper nachgewiesen werden.
