Gründe für die unbefriedigende Borrelien-Diagnostik
Die labormedizinische Untersuchung
Wie schon oben gezeigt, folgt einer Infektion mit Borrelien eine um ca. 14 Tage verzögerte Antikörperbildung nach. Diese in großer Menge produzierten Antikörper fließen mit dem Blut durch den ganzen Körper und suchen die passenden Antigene der Borrelien, an die sie binden können. Das bedeutet, dass in einer entnommenen Blutprobe eines infizierten Patienten diese Antikörper vorhanden sind und im Laboratorium nachgewiesen werden können. Bei diesem Nachweis handelt es sich um einen indirekten Nachweis, weil hier nicht die schwer zu findenden Borrelien nachgewiesen werden (direkter Nachweis), sondern die Antikörper gegen diese Borrelien.
Das Prinzip des Borrelien-Nachweises
In den Laboratorien werden in den Untersuchungsmethoden Antigene von Borrelien eingesetzt. Sind in der Blutprobe die passenden Antikörper vorhanden, so greifen sie die Antigene an (gehen eine feste Bindung mit den Antigenen ein). In einem weiteren Testschritt werden diese Bindungen sichtbar gemacht. Sind solche Bindungen vorhanden, so kann man davon ausgehen, dass eine Infektion vorliegt. Alle anderen Borrelien-Antikörper der Blutprobe, die kein passendes Antigen finden, können nicht nachgewiesen werden!
Erregerheterogenität als erste Ursache einer Unzureichenden Diagnostik
Aus der Vielzahl der in Deutschland vorkommenden humanpathogenen Borreliengenospezies (Borrelia afzelii, Borrelia burgdorferi, Borrelia garinii, Borrelia valaisiana, Borrelia lusitaniae, Borrelia spielmanii, Borrelia …) können im Laboratorium nur die am häufigsten vorkommenden Borrelien nachgewiesen werden.
Borrelia afzelii |
Borrelia burgdorferi CH) |
Borrelia garinii |
Borrelia burgdorferi(USA) |
Für die Laboratorien bedeutet das jedoch nicht, dass gegen alle 3 Borreliengenospezies getestet wird. Vielmehr entscheidet sich jedes Laboratorium für ein Testkonzept, das einen Kompromiss zwischen Sensitivität der Diagnostik und wirtschaftlicher Leistungserbringung bedeutet.
Die Vielzahl von krankheitsauslösenden Borrelien (Erregerheterogenität) und ihre Antigene
Borrelien-Antigene dargestellt anhand von 3 Beispielen:
Die Oberfläche von Borrelien und allen anderen Erregern ist übersät mit Antigenen. Wie man aus den Bildern erkennen kann, hat jede Borrelien-Art ihre eigenen Antigene, die so einmalig sind, dass sie nur bei dieser Art vorkommen (dargestellt in der Farbe des Erregers). Gegen diese Antigene werden Antikörper gebildet, die nur diese Antigene angreifen können.
Sind die Erreger sehr nahe verwandt, wie das bei den Borrelien der Fall ist, können auf der Oberfläche aller Borrelien-Arten weitere Antigene mit einer starken Ähnlichkeit auftreten (dargestellt in blauer Farbe). Die dagegen gebildeten Antikörper können die entsprechenden Antigene auf mehreren Borrelien-Arten angreifen und werden deswegen kreuzreagierende Antikörper genannt. Diese kreuzreagierenden Antikörper treten sehr oft auf, so dass man sich in der Laboratoriumsdiagnostik beim Nachweis einer Borrelien-Infektion auf sie verlässt.

Antigenvariabilität der Borrelien als zweite Ursache einer unzureichenden Diagnostik
Neben der Vielzahl der Erreger, die eine genotypspezifische Immunantwort nach einer Infektion induzieren, ist die komplexe und variable Struktur der Borrelien, die von dem Umweltmilieu und der Temperatur abhängig ist, für die Bildung bzw. das Ausbleiben von spezifischen Antikörpern verantwortlich.
Antigenvariabilität der Borrelien
Borrelien können die Zusammensetzung ihrer Antigene variieren, d.h., es sind nicht immer alle Antigene vorhanden. Diese Besonderheit hat weitreichende Folgen für den labormedizinischen Nachweis von Borrelien. In folgenden Abbildungen sind mögliche Zusammensetzungen der Borrelien-Antigene dargestellt und deren Auswirkung auf die Labordiagnostik.

Man kann nie voraussagen, welche Antigene die Borrelien im infizierten Patienten mit sich führen. Da vom Immunsystem Antikörper nur gegen die vorhandenen Antigene gebildet werden, kann eine übliche Laboruntersuchung zu falsch negativen Befunden führen (Eine Infektion wird nicht erkannt.).
Borrelia afzelii
Borrelia burgdorferi CH)
Borrelia garinii
Borrelia burgdorferi(USA)