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Behandlung

 Vorschläge zur Behandlung der Lyme-Borreliose

Nachfolgende Therapievorschläge entsprechen z. T. nicht den gängigen Empfehlungen zur Behandlung der LB. Sie sind unter dem Eindruck chronischer LB-Verläufe entstanden. Über einen “off-label-Gebrauch“ der eingesetzten Medikamente muss der Patient / die Patientin unbedingt gesondert aufgeklärt werden.

Es ist wichtig, eine frische LB so zeitig, wie irgend möglich zu behandeln. Ein Erythema migrans ist LB-beweisend und ohne Abwarten von Laborergebnissen Indikation zur sofortigen Therapie.

Bei Persistenz oder (Wieder-) Auftreten von Krankheitssymptomen trotz frühzeitiger Behandlung und auch bei chronifizierter, bislang unbehandelter LB kann eine erweiterte antibiotische Therapie erforderlich sein. Möglich ist dann eine wiederholte oder längerfristige Kombinationstherapie von z.B. i.v.-ß-Lactam-AB und intrazellulär wirksamen oralen AB, wobei auf eine gute Gewebe-/ZNS-Gängigkeit geachtet werden sollte.

Die LB kann, vor allem bei ZNS-Beteiligung, außerordentlich hartnäckig sein.

Es kommt dann darauf an, sich auf die Wirkungsweise von Borrelia burgdorferi s.l. einzustellen:

  • langsames Wachstum
  • Verstecken von Bb im Bindegewebe und intrazellulär Bildung von Zystenformen
  • Immunsuppression und Evasion
  • Antigenshift

Erforderlich ist, dass der Patient die Medikation verträgt und diese auch anspricht. Ein solches Ansprechen kann mit unerwünschten Nebenwirkungen des Medikamentes verwechselt werden.

Wegen des langsamen Wachstums von Borrelia burgdorferi ist hinsichtlich der Dauer der Behandlung der Faktor Zeit zu berücksichtigen. Bei jedem Patienten ist eine Risiko-Nutzen-Abwägung zu treffen, die in erster Linie vom Schweregrad der Erkrankung abhängt; d.h. großzügigere Therapieindikation bei V. a. ZNS- oder kardiale Beteiligung.

Einsetzbare Medikamente

Intrazellulär wirksame Tetrazykline, Makrolide und Ketolid

   1.   Tetracyclin                 25 mg/kg KG         maximal            2000 mg/d      in 3 – 4 Portionen

   2.   Minocyclin                 3,5 mg/kg KG          maximal            300 mg/d     in 3 – 4 Portionen

   3.   Doxycyclin                   5 mg/kg KG         maximal              400 mg/d     in 3 – 4 Portionen

Cave: Photosensibilisierung bei allen Präparaten, besonders unter Doxycyclin; Minocyclin ist gut ZNS-gängig, einschleichend dosieren, um Schwindel zu vermeiden, z.B. erste Dosis am Abend: 50-100 mg; für alle Tetracycline gilt: nicht mit Milchprodukten zusammen einnehmen

  4.  Clarithromycin (12-15 mg/kg KG, z.B. 4×250 mg/d oder 2×500 mg/d);

      cave bei kardialer Beteiligung und Vorschädigung: QT-Verlängerung

  5.  Roxythromycin – wird z. T. zusammen mit TMP verabreicht (modifizierte Gasser- Therapie)

       Dosierungen: 2 x 300     mg Roxithromycin/d + 2 x 120 TMP mg/d.

  6.  Erfolg versprechend kann der Einsatz von Telithromycin (Ketek®) sein;

       dieses Medikament, eine Makrolid-Weiterentwicklung, ist relativ neu auf dem Markt hat in

       Einzelfällen Wirksamkeit gezeigt.

Zellwand-wirksame – ß-Lactam AB

Ceftriaxon (Rocephin®),

    Dos: 50-75 mg/kg KG, in 1-2 Portionen, bei Personen bis 100 kg KG max. 4 g/d

    Ceftriaxon in 500ml NaCl auflösen und langsam infundieren (bis zu 1 Stunde). NW: allergische

    Reaktionen und „sludge“-Bildung in den Gallengängen; letzterem kann vorgebeugt werden, indem

    z.B. nur an 6 Tagen pro Woche infundiert wird; auf Maximal-Dosierung achten

Cefotaxim (Claforan®)         3 x tgl.                   2 – 3 g/d                    maximal 12 g/d

Mezlocillin   z.B. 3 x 4 gr/d, in vitro gut wirksam

Amoxycillin                  50-100 mg/ kg KG/d    in 3-4 Einzeldosen       maximal 4 g/d

Cefuroxim-axetil                 25 mg/kg KG        in 3-4 Portionen           max. 2000 mg/d

Benzathin-Penicillin i.m.       1,2 Mio. E.         1 x wöchentliche Applikation möglich

Metronidazol                 10-15 mg/kg KG/d      in 3-4 Portionen

Zur Bekämpfung zystischer Borrelia burgdorferi-Formen Metronidazol einsetzen

cave: nicht bei Kindern, nicht in der Schwangerschaft wg. möglicher Keimschädigung / Karzinogenität; evtl. mit ß-Lactam-Antibiotika anwenden.

Behandlungsregime

Die frische, nicht generalisierte Lyme-Borreliose sollte mit Doxycyclin, Minocyclin oder Tetracyclin bei Kindern über 8 Jahren und bei Erwachsenen über mindestens 28 Tage behandelt werden.  Bei Schwangeren und Kindern: Amoxycillin, alternativ Cefuroxim-axetil über mindestens 28 Tage.

Für eine weitergehende Behandlung ist:

zum einen möglichst zeitnah eine Fortführung der Standardantibiose zu erwägen; d.h. Tetracyclingabe fortführen; überlegenswert, auf Makrolide umzustellen, z.B. Clarithromycin;

alternativ eine Infusionsbehandlung z.B. mit Ceftriaxon (Rocephin) durchzuführen (auch bei Kindern).

Eine Kombinationstherapie, z.B. von Ceftriaxon und Metronidazol kann gegen und zur Vermeidung von Bb- Zystenformen eingesetzt werden.

Hilfreich kann auch die Kombination von Benzathin-Penicillin und einem oralen, intrazellulär wirksamen Antibiotikum sein.

Unter Therapie ist es üblich, dass vor allem in der Anfangsphase eine sog. Herxheimer-Reaktion auftritt, die mit Fieber, Schüttelfrost und unangenehmen Symptomverstärkungen einhergehen kann. Es sollte möglichst so lange behandelt werden, bis Symptomverstärkungen (die sehr lange persistieren können) nicht mehr auftreten und der Patient beschwerdefrei ist. Ansonsten kann es zu Beschwerdepersistenz oder LB-Rückfall kommen.

  • Empfehlenswert ist es, ein Symptom-Tagebuch zu führen mit Symptomart und Symptom stärke, um ein Monitoring über den Therapieverlauf zu erhalten.
  • Es ist auf eine regelmäßige Blutbild- und Leberwert- Kontrolle zu achten. Bei blutigen Durchfällen an eine Clostridium-difficile-Infektion denken. Makrolide stören die Darmflora weniger als Tetracycline oder ß-Lactam Antibiotika

Es gibt unter den vektorübertragenen Erreger nicht nur Borrelien, sondern auch Babesien, Ehrlichien, Bartonellen, Rickettsien, FSME. Bei besonders schweren Krankheitsverläufen sollte an solche Co-Infektionen gedacht werden.

Unterstützende Maßnahmen

  • Krankschreibung, mindestens während der i.v.-Antibiose
  • kein Alkohol!
  • ausreichend Schlaf
  • leichte Gymnastik, soweit es vertragen wird, evtl. Physiotherapie
  • Auf Hygiene und zuckerarme Ernährung achten, um Candida-Infektionen zu vermeiden;

      Joghurt kann helfen, nicht zusammen mit Tetracyclinen!

  • unter i.v. Behandlung evtl. Gabe von Colestyramin, um Durchfälle einzugrenzen; bei

      manchen Patienten verringern sich unangenehme Allgemeinsymptome

„Früh erkannt lässt sich die Borreliose erfolgreich mit Hilfe von Antibiotika behandeln. Wird die Infektion nicht erkannt, wird zu spät, unterdosiert oder zu kurz mit Antibiotika behandelt, kann sich eine chronische Verlaufsform unter Beteiligung des Nervensystems, der Gelenke und des Herzens entwickeln, die schwer oder gar nicht heilbar ist.”

BgVV, Pressemitteilung 15/2001, 27. April 2001;

 D.T. Dennis, CDC -“ Ansonsten droht ein schwerer Krankheits-Verlauf oder Invalidät“

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